Das Buch

Ins Nirgendwo, bitte!
Zu Fuß durch die mongolische Wildnis

Erschienen: 10. April 2019 im Conbook Verlag
ISBN: 978-3-95889-179-1
€ 14,95 [D], € 15,40 [A], SFr. 21,90* [CH]
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Zu Fuß und völlig auf sich allein gestellt durchqueren die 22-jährige Franziska und ihr Freund Felix den Westen der Mongolei. Ihr Weg führt sie mitten ins Nirgendwo, wo es weder feste Pfade noch Wegweiser gibt und wo sie tagelang keiner Menschenseele begegnen. Mit dabei: ein Zelt, Astronautennahrung und ein paar uralte russische Militärkarten. Franziska und Felix quälen sich Berge hoch und fallen Böschungen runter, sie stecken in reißenden Gletscherflüssen fest und werden von einer donnernden Herde Yaks umzingelt. In der Einsamkeit haben sie aber auch seltene, magische Begegnungen. Und sie lernen viel über sich als Paar, das durch die extreme Erfahrung über sich hinauswächst.

»Unsere Rucksäcke liegen vor unseren Füßen und sind alles, was wir jetzt noch bei uns haben. Noch nie zuvor ist mir so eine starke Brise Abenteuerluft um die Nase geweht. Sie riecht nach Salbei und Kamille.«

aus Ins Nirgendwo, bitte!

Leseprobe

Auszug aus Kapitel 5

Gestrandet auf dem Mars

Vorbemerkung: Von der mongolischen Hauptstadt Ulan-Bator aus fliegen wir weiter in den Westen. In die Provinzhauptstadt Chowd. Wie sich das anfühlt, in einem kleinen Ort irgendwo in der mongolischen Wildnis anzukommen – das erzählt dieses Kapitel.

Wir sitzen auf dem kalten Steinboden im Wartebereich des Flughafens. Mit dem Rücken an meinen riesigen Rucksack gelehnt, den ich nicht, wie sonst bei Flügen üblich, am Schalter abgegeben habe, sondern gleich selbst zum Flugzeug bringen soll.
Der Wartebereich am Flughafen in Ulan-Bator ist ein kleiner Raum, bei dem an allen Wänden grauer Putz abbröckelt. Er erweckt den Eindruck, als würde er mitten in Renovierungsarbeiten stecken. Es gibt zehn weiße Plastikstühle, die alle von Mongolen besetzt sind. Niemand beachtet uns so richtig. Nur wer neu in den Raum kommt, widmet uns einen schnellen, erstaunten Blick. Und einen Zweiten, um sicherzugehen, ob wir tatsächlich auf denselben Flug warten. Das war’s dann mit der Aufmerksamkeit. Danach vermeiden es die anderen Fluggäste, in unsere Richtung zu schauen. Es scheint, als wüsste niemand von ihnen so recht, was sie mit uns anfangen sollen. Auch mit meinen Versuchen, ihre Scheu mit einem Lächeln zu brechen, habe ich an der Situation nichts ändern können. Ich fühle mich unsichtbar.
Die Mongolen löffeln stattdessen entweder chinesische Instant-Suppen, verstauen ihre Einkäufe in Säcken oder machen ihre Nägel. Knips. Knips. Knips. Eine alte Mongolin versucht, einen Suppenfleck von ihrer Schürze zu scheuern, und ein kleines Mädchen klatscht mit den Händen immer wieder an die wackelige Schiebetür, die uns von einer kleinen Propellermaschine auf dem Rollfeld trennt.
»Meinst du, sie möchte einen Keks haben?«, flüstert Felix und zeigt auf das kleine Mädchen. 
Sie lehnt jetzt mit ihrem Rücken an der Glasscheibe und schaut verstohlen zu uns rüber. Als Felix ihr die Keksrolle entgegenstreckt und ihr ermutigend zulächelt, verzieht sie keine Miene. Dann macht sie dasselbe wie der Junge am Berg in Ulan-Bator: weglaufen und verstecken. In diesem Fall nicht hinter einem Felsen, sondern der Stuhllehne ihrer Mutter. 
Felix schnauft hörbar aus und zuckt mit den Schultern.
»Vielleicht sind die einfach nur skeptisch, weil für sie nicht klar ist, was wir hier machen. Sonst ist ja auch niemand da.« 

Ich schaue mich um, und mir fällt auf, dass Felix Recht hat. Wir beide sind die Einzigen der rund 50 Passagiere, die ganz offensichtlich keine asiatischen Wurzeln haben. Es scheint, als wären nur Mongolen auf diesem Flug, die nach einem kurzen Verwandtschaftsbesuch und ein paar Besorgungen in der Hauptstadt wieder nach Hause fliegen. Und eine Gruppe Männer wartet hier noch, die deutlich härtere Gesichtszüge haben als die Mongolen. Vielleicht kommen sie aus China. 

Als aus einer kleinen Lautsprecherbox nach einem verzerrten Rauschen ein viel zu lauter Gong knistert, setzt sich alles und jeder im Warteraum in Bewegung. Ohne viel zu reden, schnappen sich Mütter ihre Kinder und die Großmütter. Männer werfen sich das Gepäck über die Schultern, einer hat sogar einen Käfig mit einem Huhn unter dem Arm. Wir schultern unsere Rucksäcke, und aus meiner Hosentasche hole ich unsere zwei handgeschriebenen Bordkarten. Die erinnern mich stark an die Eintrittskarten zu meiner Einrad-Show, die ich als Kind an meine Nachbarn verteilt habe.
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