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Frühling in Tschechien: Wandern auf dem Goldsteig

Während bei uns zuhause in Nordschweden der letzte Schnee fällt, stehe ich unter blühenden Obstbäumen. Warme Sonne im Gesicht, aufgeregtes Vogelgezwitscher, Wiesen voller Blumen und ein Grün, so hell und kräftig, dass es nach dem langen Winter fast surreal wirkt.

Ich habe zum Frühling vorgespult.

Zwei Tage lang war ich auf dem Goldsteig in Tschechien unterwegs – zwischen Poběžovice, Klenčí pod Čerchovem und Domažlice. Am Wegesrand liegen unzählige Ausblicke bis zum Horizont und darüber hinaus. Kleine Dörfer, tiefe Wälder. Während der Goldsteig als Fernwanderweg auf deutscher Seite inzwischen ziemlich populär ist, geht es auf der anderen Seite der Grenze deutlich ruhiger zu. Die Wege führen durch das historische Chodenland, vorbei an Wiesen, Wäldern und alten Bauernhäusern. Andere Wanderer habe ich an diesen beiden Traumtagen Ende April nicht getroffen.

In diesem Beitrag stelle ich dir zwei Etappen des Goldsteigs vor, die durch die tschechische Region Pilsen führen, und mit dem Zug von Deutschland aus gut erreichbar sind.


Werbehinweis: Ich bin glücklich, dass ich mit Visit Czechia zusammenarbeiten darf. Die Touren habe ich auf Einladung der Region erlebt, daher gilt dieser Artikel als Werbung für diesen Kooperationspartner. Meine Meinung wird dadurch aber freilich nicht beeinflusst.


Tag 1 – Von Poběžovic nach Klenčí

Heute ist besonders. Nicht nur, weil ich zum ersten Mal auf einem tschechischen Wanderweg stehe. Sondern, weil ich mir zum ersten Mal in Monaten nicht den Kragen einer Winterjacke tief ins Gesicht ziehe. Ich habe keine Mütze auf, keine Handschuhe an. Keine extra Isolationsschicht dabei. Ich fühle mich fast komisch leicht, mein Rucksack wirkt zu leer. Fast so, als hätte ich das Allerwichtigste vergessen.

Es hat fast 20 Grad plus.

Für mich ist das surreal, denn bei uns zuhause in Nordschweden schneit es gerade. Meine Freundin schickt mir Fotos von dicken Flocken. Wahrscheinlich sind sie die Letzten in dieser Saison. Trotzdem fühlt sich der Frühling zuhause noch weit weg an. Hier stehe ich gerade mittendrin – im Frühling. Die Wiesen sind hochgewachsen, Rapsfelder blühen. Die Obstbäume auch. Das sehe ich nicht nur überall um mich herum, sondern kann es sogar riechen.

An diesem ersten Wandertag laufe ich viel zu schnell los. Nicht, weil ich unbedingt ankommen möchte, sondern, weil ich es nicht abwarten kann, den Frühling zu erleben. Zum ersten Mal seit Monaten gehe ich wieder nur in leichter Kleidung los. Keine Winterausrüstung, kein „ich muss mich warmhalten“. Einfach nur laufen.

Der Weg führt aus dem Ort heraus in eine offene Wiesen- und Weidelandschaft. Der Goldsteig ist hier gut erkennbar, meist einfache Feld- und Wirtschaftswege, dazwischen kleine Straßenstücke. Es ist kein anspruchsvolles Gelände, eine Genusswanderung. Die Etappe ist ruhig. Ich bin allein, nur in den kleinen Dörfern treffe ich vereinzelt auf Menschen. Dazwischen liegen lange Abschnitte ohne viel Ablenkung. Genau das macht den Weg entspannt – kein Verkehrslärm, keine touristischen Hotspots. Stattdessen ruhige Wälder, weite Wiesen und überall Pausenplätze mit herrlich weiten Ausblicken.


Tourdaten: 19,5 Kilometer, 530 Höhenmeter aufwärts, 490 Höhenmeter abwärts.

Route: Hier geht’s zu meiner Route auf Komoot.

Übernachten: Unweit der Wanderroute entfernt liegt das Hotel Game, das einst ein echtes Highlight unter Tennisurlaubern gewesen sein muss. Von dieser Zeit erzählen zahlreiche Bilder, Zeitungsartikel und Medaillen im Frühstücksraum. Die goldenen Jahre liegen nun aber ein bisschen zurück, vor allem was die Ausstattung der Zimmer angeht. Weil ich in der Nebensaison unterwegs war, war die Auswahl an Unterkünften stark eingeschränkt. Für das nächste Mal würde ich mich stattdessen, wenn verfügbar, nach einem Hotel direkt im kleinen Ort von Klenčí umsehen.


Tag 2 – Von Klenčí nach Domažlice

Kann mich mal wer kneifen?

Es ist noch nicht einmal 10 Uhr morgens, und ich wandere im T-Shirt. IM T-SHIRT. Das kann zwar auch der Tatsache geschuldet sein, dass die ersten Kilometer an diesem Wandertag bergauf führen – aber dennoch: Der Frühling fühlt sich heute fast nach Sommer an. Und das ist für mich kaum greifbar.

Auf den nächsten Kilometern wechseln sich offene, aussichtsreiche Abschnitte mit Waldstücken ab. Immer wieder öffnen sich Blicke über die hügelige Landschaft, bevor der Weg wieder in die Ruhe des Waldes führt. Es ist eine Strecke, die keine technischen Anforderungen stellt, aber gerade dadurch sehr angenehm zu gehen ist. Ich komme schnell in einen gleichmäßigen Rhythmus, ohne ständig auf den Weg achten zu müssen. Vieles passiert eher nebenbei: Landschaft, Lichtwechsel, kleine Dörfer in der Ferne.

Je näher Domažlice kommt, desto deutlicher verändert sich die Atmosphäre. Die Wege werden etwas belebter, die Landschaft wirkt strukturierter. Und ich merke, dass ich mich einer größeren Stadt nähere.

Von der Aussichtsplattform auf dem kleinen Gipfel Hrádek sehe ich mein Ziel schließlich vor mir liegen: die Altstadt von Domažlice mit ihren bunten Fassaden und den zwei markanten Türmen. Doch die Nähe täuscht, denn von hier aus sind es noch gut fünf Kilometer zu wandern.

Ich lege dennoch eine ausgedehnte Mittagspause ein, genieße die Sonne, den Blick. Und versuche zu begreifen, dass mein Ausflug in den Frühling schon bald zu Ende geht.


Tourdaten: 15 Kilometer, 350 Höhenmeter aufwärts, 380 abwärts.

Route: Hier geht’s zu meiner Route auf Komoot.

Übernachten: Im Herzen von Domažlice gelegen, bietet das Hotel Zlatá Včela (Hotel Golden Bee) geräumige Zimmer mit einem schönen Blick auf die hübschen Altstadt-Fassaden an. Innerhalb eines kleinen Radius gibt es eine tolle Auswahl an Restaurants, und auch der Bahnhof ist für die Abreise am nächsten Morgen gut zu Fuß zu erreichen.


Der Goldsteig: Allgemeine Infos

Der Goldsteig in Deutschland und Tschechien

Der Goldsteig gehört zu den längsten und bekanntesten Fernwanderwegen Deutschlands. Insgesamt ist das Wegenetz über 600 Kilometer lang und führt in mehreren Varianten durch die Oberpfalz und den Bayerischen Wald bis an die tschechische Grenze. Besonders bekannt sind dabei die beiden Hauptvarianten durch den Oberpfälzer Wald und den Nationalpark Bayerischer Wald.

Der Name „Goldsteig“ bezieht sich auf die alten Handelswege, auf denen früher Salz, das „weiße Gold“, von Passau nach Böhmen transportiert wurde. Viele der heutigen Wanderwege folgen historischen Pfaden entlang der Grenze zwischen Bayern und Tschechien.

Der tschechische Abschnitt ist deutlich ruhiger als viele Etappen auf deutscher Seite. Während man im Bayerischen Wald häufiger auf Wanderer trifft, wirkt der Goldsteig in Böhmen oft fast vergessen. Genau das macht den Reiz aus: kleine Dörfer, offene Landschaften, traditionelle Architektur und viel Ruhe unterwegs.

Meine Wanderung zwischen Poběžovice, Klenčí pod Čerchovem und Domažlice gehört zum böhmischen Teil des Goldsteigs im historischen Chodenland. Die Region liegt direkt an der Grenze zur Oberpfalz und verbindet sanfte Mittelgebirgslandschaft mit viel Kulturgeschichte. Anders als die hochgelegenen Etappen im Bayerischen Wald ist dieser Abschnitt eher gemütlich und perfekt für entspannte (Frühlings)touren.

An- und Abreise

Die Anreise funktioniert unkompliziert mit öffentlichen Verkehrsmitteln: Ich bin mit dem Zug nach Domažlice gefahren. Von dort fahren Regionalzüge weiter Richtung Poběžovice. Zwischen den kleineren Orten verkehren zusätzlich Busse, wobei die Fahrpläne in ländlichen Regionen manchmal etwas eingeschränkt sind.

Praktisch an meiner Route: Start- und Zielort liegen beide an Bahnstrecken. Dadurch kann man die Tour sehr entspannt als kleine Zwei-Tages-Wanderung planen, ohne am Ende wieder zum Ausgangspunkt zurückkehren zu müssen.

Wer aus Deutschland anreist, fährt meist über Furth im Wald oder Schwandorf nach Domažlice.

Orientierung

Wie immer habe ich mir meine Route vorher als geplante Tour auf Komoot angelegt – und den Track dann auf meine GPS-Uhr gezogen. Gleichzeitig gibt es entlang der Wanderwege eine ausführliche Beschilderung, die alle Wege in unterschiedliche Richtungen markiert. Sogar mit Kilometerangaben zu den nächsten Ortschaften und Bahnhöfen.

Übernachtung und Verpflegung

Die Route des Goldsteigs ist so angelegt, dass Wandernde für die Übernachtungen immer Möglichkeiten unweit der offiziellen Route haben. Zur Auswahl haben wir gemütliche Gasthäuser, private Pensionen und in größeren Ortschaften auch komfortable Hotels. Wer in der Nebensaison unterwegs ist (wie ich beispielsweise Ende April), muss allerdings damit rechnen, dass einige Hotels noch geschlossen sind. Es lohnt sich, verfügbare Unterkünfte im Vorfeld zu reservieren, um nach einem Wandertag nicht vor geschlossenen Türen zu stehen.

Was die Verpflegung angeht, kann ich empfehlen, genug Trinkwasser und ein Lunchpaket mitzunehmen. Häufig gibt es unterwegs nicht viele Möglichkeiten zur Einkehr. Genau das hat für mich aber den Charme der Wandertage auf dem Goldsteig ausgemacht: Weil ich den ganzen Tag für mich war, Pausen im Wald und auf den Wiesen eingelegt habe, und genossen habe, dass eben so wenig los ist.

Hast du noch Fragen zu den Touren?
Ich freue mich auf deinen Kommentar!

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