Ybbstaler Alpen: Herbst-Wanderungen in Niederösterreich
Kristallklare Bergluft, die mit jedem Höhenmeter dünner wird. Das schrille Pfeifen von Murmeltieren. Und Geröll, das unter den vorsichtigen Hufen der Gämse poltert. Wolken, die in den rauen Gipfeln festhängen, und eine Pfannkuchensuppe auf der Alm.
Zeit in den Alpen wird sich für mich wahrscheinlich für immer nach der alten Heimat anfühlen. Deshalb hätte ich vor Glück platzen können, als ich nach einem traumhaft schönen Sommer in meiner neuen Heimat dieser alten Heimat einen Besuch abstatten durfte. Den Alpen. Doch vielleicht hat sich diese Reise nicht nur deshalb so vertraut angefühlt, weil ich mit den Alpen meine Kindheit und das Erwachsenwerden verbinde. Sondern auch, weil ich Niederösterreich seit fünf Jahren mindestens einmal im Jahr einen Besuch abstatte. Dieses Mal hat Felix mich begleitet und wir waren auf abwechslungsreichen Tagestouren kreuz und quer durch die Ybbstaler Alpen im Mostviertel unterwegs. Irgendwo zwischen Herbst und Winter, zwischen Sonne, Weitblick und Hüttengemütlichkeit.
In diesem Blogbeitrag teile ich vier Tageswanderungen in den Ybbstaler Alpen mit dir und gebe dir zusätzliche Tipps für einen unvergesslichen Aufenthalt im Mostviertel.
Werbehinweis: Ich bin glücklich, dass ich mit Niederösterreich Werbung zusammenarbeiten darf. Die Wanderung in den Ybbstaler Alpen im Mostviertel habe ich auf Einladung der Region erlebt – daher gilt dieser Artikel als Werbung für diesen Kooperationspartner. Meine Meinung wird dadurch freilich nicht beeinflusst.

Von Ybbsitz auf den Prochenberg
Ganz egal, wie viel ich wandere, ganz egal, wo ich unterwegs gewesen bin: Sobald ich anfange, die ersten Schritte zwischen den Gipfeln der Alpen zu setzen, wird eine Wanderung besonders sein. Ich kann nicht genau sagen, was dieses Gefühl ausmacht, warum sich die Alpen so anders anfühlen als alle anderen Berge der Welt, die ich bisher erwandert habe.
Genau dieses besondere Gefühl, diese alte Vertrautheit, sucht mich auch an diesem Morgen heim, als ich mit Felix an meiner Seite die Rucksäcke schultere und wir die ersten Schritte bergauf gehen. Wir starten diese Tour direkt an unserer Unterkunft, der Schmiede in Ybbsitz. Von hier aus wandern wir durch das Dorf, lassen die Häuser aber schnell hinter uns. Es geht stetig bergauf, bis wir uns auf weiten Almwiesen wiederfinden – mit dem ersten Gipfelziel direkt vor Augen: Vor uns erhebt sich die markante Felswand der 906 Meter hohen Haselsteinwand. Wir steigen weiter durch den nebeligen Herbstwald auf. Gerade als wir über die letzten Steine zum Gipfelkreuz steigen, lichten sich die tief hängenden Wolken ein wenig, und wir genießen einen ersten Ausblick über Ybbsitz und die umliegende Hügellandschaft. Kleiner Spoiler: Für uns sollte das der erste und letzte Ausblick des Tages bleiben.
Von der Haselsteinwand geht es über kleine Wege weiter bis zum höchsten Punkt des Prochenbergs (1.123 m). Oben stehen eine gemütliche Hütte und ein hölzerner Aussichtsturm – diesmal allerdings bleibt beides still. Die Hütte war geschlossen, der Turm hing im Nebel. An guten Tagen genießen Wandernde von hier aus allerdings einen der schönsten Ausblicke der Region: ein 360-Grad-Panorama über das Mostviertel und bis in die markanten und weit über 2.000 Meter hohen Gipfel des Gesäuse. Für uns ein Grund, ein andermal wieder zu kommen.
Tourdaten: 12,5 Kilometer, 670 Höhenmeter im Aufstieg, 670 Höhenmeter im Abstieg.
Route: Hier geht’s zu meiner Route auf Komoot.
Gut zu wissen: Die Prochenberghütte ist von 1. Mai bis 26. Oktober immer an Sonn- und Feiertagen bewirtschaftet. Im Juli, August und September auch an Samstagen. Ansonsten gibt es auf der Tour keine Einkehrmöglichkeiten – es empfiehlt sich also, eine eigene Brotzeit mitzunehmen. Schöne Pausenplätze gibt es unterwegs zahlreich.






Almwanderung von Hollenstein an der Ybbs
Als wir vom Wanderweg „Natur.Genuss.Berg“ gelesen haben, der am Gasthof Jagersberger in Hollenstein an der Ybbs startet und durch wunderschön ursprüngliche Wälder, vorbei an urigen Hütten bis hin zu gigantischen Ausblicken führen soll, konnten wir es kaum abwarten. Als wir später am Startpunkt aus dem Auto stiegen und das Gefühl hatten, wir könnten uns an den tiefhängenden Wolken gleich die Köpfe anstoßen, war uns schnell klar, dass es wohl zumindest mit den gigantischen Ausblicken nichts werden würde. Stattdessen würde es später der Wald sein, der uns den Atem rauben wird.
Nachdem wir die Skipiste hochgestiegen sind, tauchen wir in ihn ein: in einen der schönsten, mystischsten Wälder, die ich je besucht habe. Und das ist keine Übertreibung. Die Stimmung ist magisch. Überall Blaubeere, Pilze, Moos, Farne, Vogelgezwitscher. Nebel, der auf das Blätterdach rieselt. Kiefern, so bodenständig und hoch, dass ich mich oft dabei ertappe, wie ich ganz von selbst stehen bleibe, um den Kopf in den Nacken zu legen – und zu staunen.
Wir kommen an diesem Vormittag kaum voran, machen so viele Pausen, Fotos, Videos, weil wir diese Momente in diesem Wald festhalten wollen. Es fühlt sich an, als würde sich die Welt in diesen Augenblicken, in diesem Wald, ein klein wenig langsamer drehen.
Die Luft wird schließlich mit jedem Höhenmeter merklich kühler. Die Kitzhütte auf 1.266 Metern erreichen wir schließlich pünktlich zum ersten Schneeschauer der Saison. Drinnen ist es warm und gemütlich, es gibt heiße Suppe und frischen Apfelstrudel. Ein erstes Pausenhighlight auf der Almwanderung, die noch einige weitere Highlights in petto hat: die Turnhöhe mit 1.439 Metern, von der aus Wandernde einen beeindruckenden Blick über die Ybbstaler Alpen bis über die Bundesländergrenzen hinweg in die Steiermark und nach Oberösterreich bestaunen können. Gefolgt von den Vierhütten zur Alm Siebenhütten.
Tourdaten: 17 Kilometer, 850 Höhenmeter im Aufstieg, 840 Höhenmeter im Abstieg.
Route: Hier geht’s zu meiner Route auf Komoot.
Gut zu wissen: Die Kitzhütte hat in der Regel zwischen dem 22. Mai und dem 26. Oktober täglich geöffnet (nur Montag ist Ruhetag). Die Alm Siebenhütten hat zwischen Ende Mai und Ende Juni samstags und sonntags geöffnet. Von 1. Juli bis 1. September immer donnerstags bis sonntags sowie an Feiertagen.





Von Steinbachtal auf die Ybbstalerhütte
An diesem Morgen ist die Luft knisternd kalt, doch zum allerersten Mal auf dieser Reise ist der Himmel blau. Hier und dort hängen im Bergwald ein paar letzte Nebelschwaden zwischen den Baumkronen. Doch mit jedem Grad, das das Thermometer nach oben klettert, und mit jedem Höhenmeter, den wir zurücklegen, wird die Sicht klarer. Serpentine für Serpentine steigen wir durch den Wald auf. Die Bäume geben den Blick immer wieder frei. Von hier aus blicken wir in eine ganz besondere Landschaft: Das Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal liegt zwischen Niederösterreich und der Steiermark und zählt zu den ursprünglichsten Landschaften Europas. Es schützt den letzten großen Urwaldrest der Alpen – ein Gebiet, in dem sich die Natur völlig frei entwickeln darf, ohne menschlichen Eingriff. Seit 2017 ist es Teil des UNESCO-Weltnaturerbes „Alte Buchenwälder und Buchenurwälder Europas“.
Der Kern des Wildnisgebiets ist streng geschützt und darf nicht betreten werden, um die natürliche Entwicklung ungestört zu lassen. Es gibt dort also keine markierten Wanderwege. Als wir weiter zur Ybbstaler Hütte aufsteigen, lassen wir das Wildnisgebiet hinter uns – und bald auch den Herbst. Denn als wir den schmalen Steig immer weiter nach oben schreiten und schließlich auf einem Plateau unterhalb der Hütte ankommen, sind wir plötzlich im Winter gelandet.
Über die Landschaft legt sich der Neuschnee der letzten Nacht. Wir stehen irgendwo zwischen Herbst und Winter, doch kurz vor einer gemütlichen Einkehr in die Ybbstaler Hütte (1.343 m). Von der Sonnenterrasse aus, die ihrem Namen heute alle Ehre macht, reicht das Panorama bis in den Nationalpark Gesäuse.
Für den Weiterweg hatten wir ursprünglich den Plan geschmiedet, über den Goldaugraben abzusteigen und eine Rundtour zu laufen. Wegen des Schnees, der im Abstiegshang unangenehm hätte sein können, haben wir uns allerdings dagegen entschieden und sind denselben Weg zurückgegangen. Eine gute Entscheidung, denn das Panorama, das wir direkt im Blick hatten, hätte schöner nicht sein können.
Tourdaten: 14 Kilometer, 730 Höhenmeter im Aufstieg, 730 Höhenmeter im Abstieg.
Route: Hier geht’s zu meiner Route auf Komoot.
Gut zu wissen: Die Ybbstalerhütte ist von Mai bis Ende Oktober bewirtschaftet, sie verfügt außerdem über 47 Schlafplätze. Auch einen Winterraum gibt es.





Von Lackenhof auf den Ötscher
Bei Minusgraden machen wir uns auf den Weg zum krönenden Abschluss dieser Reise: Der Ötscher ist mit seinen 1.893 Metern der höchste Berg im Mostviertel. Auch heute starten wir direkt an unserer Unterkunft, der Ötscher Lodge. Bis mittags soll laut Wettervorhersage die Sonne hoch am Himmel stehen, bevor sich Wolken vor sie schieben werden. Für uns ist klar: Wir wollen möglichst schnell möglichst hoch hinaus, um das Panorama von diesem besonderen Gipfel aus bewundern zu können (und, um etwas Vitamin D zu tanken, natürlich).
Der Weg führt zu Beginn durch den Wald, immer wieder queren wir die Pisten und wandern unter dem Sessellift hindurch. Als wir das Ötscherschutzhaus erreichen, liegt Lackenhof bereits weit unten zu unseren Füßen. Von hier aus ist es nur eine etwa 15-minütige Wanderung zum ersten Gipfel der Tour. Der Hüttenkogel (1.527 m) ist von der Bergstation aus einfach zu erreichen und ein toller Vorgeschmack auf das Bergerlebnis, das noch wartet. Wir verbringen hier viel mehr Zeit, als wir ursprünglich geplant hatten. Sitzen an die kleine Hütte gelehnt in der Sonne, es ist windstill, warm. Der Tee dampft. Es dauert eine ganze Weile, bis wir uns zum Weitwandern losreißen können.
Obwohl Samstag ist, ist der Andrang auf dem Weiterweg zum Ötschergipfel überschaubar. Tatsächlich hätte ich mit mehr Besuchern gerechnet. Auf den Ötscher führen außerdem zwei Wege: einer durch die Latschenkiefern, einer über den Grat. Um möglichst viel Sonne abzubekommen, haben wir uns für Letzteren entschieden – und wurden auf der gesamten Wanderung mit gigantischen Ausblicken belohnt. Auf den letzten Kilometern haben wir schließlich auch den imposanten Gipfel immer im Blick. Sogar das große Kreuz ist von hier aus bereits erkennbar.
Als wir den Gipfel erreichen, müssen wir auch ihn nicht mit zu vielen anderen Wandernden teilen. Die Stimmung ist ruhig, die Sicht frei. Und ich weiß nicht genau, was es ist – aber es fühlt sich an, als hätte der Ötscher eine ganze besondere Ausstrahlung.
Tourdaten: 13 Kilometer, 980 Höhenmeter im Aufstieg, 960 Höhenmeter im Abstieg.
Route: Hier geht’s zu meiner Route auf Komoot.
Gut zu wissen: Wer die Wanderung auf den Ötscher abkürzen möchte, hat auch während der Sommersaison die Möglichkeit, die Bergbahn zu nutzen. Die Öffnungszeiten stehen auf der Webseite des Betreibers.






Tipps für die Ybbstaler Alpen
Erreichbarkeit
Die Ybbstaler Alpen liegen im südwestlichen Niederösterreich und sind von Wien aus gut erreichbar. Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreist, passiert vermutlich den Wiener Hauptbahnhof als einen großen Verkehrsknotenpunkt. Von hier aus führen regelmäßige Zugverbindungen über St. Pölten nach Waidhofen an der Ybbs. Von dort bestehen Busverbindungen in Richtung Lunz am See, Göstling an der Ybbs oder Ybbsitz – je nach Ausgangspunkt der Wanderung.
Für mehr Flexibilität – vor allem, wenn mehrere Wanderungen in verschiedenen Tälern geplant sind – lohnt sich entweder die Anreise mit dem eigenen Auto oder die Buchung eines Mietwagens. So haben wir es gemacht: Wir sind mit dem Zug nach Wien gereist und haben dort am Hauptbahnhof unseren Mietwagen abgeholt. Die Fahrzeit ins Mostviertel beträgt je nach Ziel etwa zwei bis zweieinhalb Stunden.
Übernachten
Wir haben während unserer Reise in verschiedenen Unterkünften im Mostviertel gewohnt – von der charmanten Schmiede in Ybbsitz über den familiengeführten und urgemütlichen Ferienbauernhof Ablass (unbedingt einen Frühstückskorb mit regionalen und selbstgemachten Zutaten buchen!) bis hin zur modernen Ötscher Lodge. So wurde unsere Reise zu einem kleinen Roadtrip durch die Region. Ein großer Vorteil dabei: Für manche Touren konnten wir direkt vor der Haustüre loslaufen, ganz ohne Anfahrt.
Orientierung
Wie immer habe ich mir meine Route vorher als geplante Tour auf Komoot angelegt und den Track anschließend auf meine GPS-Uhr gezogen. Nötig ist das für keinen der Wanderwege unbedingt. Da es manchmal aber verschiedene Optionen für die Zu- und Abstiege gibt, verschaffen die digitalen Karten einen guten Überblick über die Routenmöglichkeiten und die eigene Planung. Wer ganz sicher gehen will, dass die Navigation überall funktioniert, lädt die Karten am besten für die Offline-Nutzung herunter.
Auf meinem Komoot-Profil findest du die einzelnen Touren dieses Beitrags zusammengefasst als übersichtliche Collection. Inklusive der Highlights entlang des Weges und Download des GPS-Tracks.
Einkehr & Verpflegung
Wer im Mostviertel unterwegs ist, wird unterwegs immer wieder auf gemütliche Hütten und Gasthäuser treffen – viele davon mit traditioneller Küche und einer Aussicht, die man am liebsten gar nicht mehr verlassen möchte. In der Nebensaison kann es allerdings ruhiger zugehen: Manche Hütten schließen früher oder haben nur noch an den Wochenenden geöffnet. Es lohnt sich daher, vorab die Öffnungszeiten zu prüfen und im Zweifel eine eigene Brotzeit und ausreichend zu trinken mitzunehmen. So bleibt die Tour entspannt – auch wenn unterwegs einmal keine Einkehr möglich ist.
Wenn du nach guten Einkehrmöglichkeiten im Tal suchst, möchte ich dir vor allem diese drei Gasthäuser empfehlen: den Hammerwirt zwischen Göstling an der Ybbs und Lassing, den Zellerhof in Lunz am See und die Kartause Gaming. In allen drei Restaurants haben wir wirklich hervorragend gegessen, ganz besonders außergewöhnlich war das Erlebnis in der Kartause Gaming. In diesem Klostergasthaus (mit eigener Brauerei) haben wir zwei vegane Hauptgerichte bestellt und ein solches Niveau genießen dürfen, wie ich es selten zuvor erlebt habe.






