Europa,  Wandern

Fortsetzung auf dem Kammweg: Endlich wieder Erzgebirge

Ich dachte ja, ich wüsste ganz genau, was mich erwartet. Schließlich war ich schon einmal auf dem Kammweg Erzgebirge-Vogtland unterwegs. Und es ist gerade erst ein Jahr her, dass ich mich in die Weite dieser Region, in die endlosen Wälder, die sanft auslaufenden Hügel und die knallbunten Blumenwiesen verguckt hatte. Damals hatte ich mir fest versprochen, für eine Fortsetzung wiederzukommen. Genau das tat ich jetzt. Und habe dieses Mal eine ganz andere, eine neue Seite des Kammwegs kennengelernt.

Meine Fortsetzung im Erzgebirge war genauso schön, wie ich sie mir ausgemalt hatte. Die Weite genauso unendlich, die Wälder ebenso endlos. Und die Hügellandschaft, – die hab ich dieses Mal sogar noch mehr ausgekostet. Mein zweites Mal auf dem Kammweg war definitiv genauso vielversprechend wie erwartet. Und gleichzeitig ganz anders. Denn während ich im Jahr zuvor vor allem in den Wäldern und Wiesen am Rande der Berge unterwegs war, führten mich die drei Etappen meiner diesjährigen Wanderung direkt auf dem Kamm entlang. Ich hab es sogar bis zum höchsten Punkt Sachsens geschafft.

In diesem Beitrag stelle ich dir drei Etappen des Kammwegs Erzgebirge-Vogtland vor, die über die höchsten Bergzüge an der deutsch-tschechischen Grenze führen. Der Kammweg trägt das Zertifikat Qualitätswanderweg und gehört zu den Top Trails of Germany. Auf 285 Kilometern führt er von Altenberg im Erzgebirge bis nach Blankenstein in Thüringen.


Werbehinweis: Ich bin glücklich, dass ich mit Erzgebirge Tourismus zusammenarbeiten darf. Die Touren auf dem Kammweg habe ich auf Einladung der Region erlebt, daher gilt dieser Artikel als Werbung für diesen Kooperationspartner. Meine Meinung wird dadurch aber freilich nicht beeinflusst.


Tag 1 | Vom Hirtstein zum Bärenstein (Etappe 7)

Inmitten seiner endlosen Wälder schrieb das Erzgebirge einst eine lange Geschichte des Bergbaus. Vor über 800 Jahren hat diese Geschichte begonnen. Ihre Höhepunkte liegen lange zurück, dennoch haben sie die Region maßgeblich geformt. Heute ist sie einzigartig – nicht nur in Deutschland, sondern auch über die Grenzen hinweg. Sie gehört deshalb seit 2019 zu den UNESCO-Welterbestätten.

Auf meiner knapp 23 Kilometer langen Wanderung vom Hirtstein zum Bärenstein hab ich am Wegesrand immer wieder Erinnerungen an diese Vergangenheit entdeckt: Hübsche Bahnhöfe aus Backstein zum Beispiel, zwischen denen früher die Loks die Erze transportiert haben. Noch heute bringt die Dampflok der Pressnitztalbahn Fahrgäste von der Schmalzgrube nach Jöhstadt. Während der Sommermonate fährt sie jedes Wochenende. Der kleine Backstein-Bahnhof Schmalzgrube zum Beispiel liegt genau auf der Route des Kammwegs. Wenn du möchtest, könntest du hier einsteigen und die Kilometer bis nach Jöhstadt mit der Dampflok zurücklegen. Dann allerdings würden dir einige schöne Waldmomente entgehen.

Eine ganze Weile lang führt der Kammweg nach dem Bahnhof Schmalzgrube nämlich durch einen wildromantischen Wald. Bis der immer lichter wird und schließlich den Blick auf das Ziel dieser Etappe freigibt: Auf den 898 Meter hohen Bärenstein, der allein schon wegen des Aussichtsturms auf seinem Gipfel aus dem Meer an Bäumen und Bergen hervorsticht. Wenn du auf seinem Gipfel ankommst, hast du einen schönen Überblick über den Start der nächsten Etappe: Vorbei an der Cranzahl-Talsperre zu deinen Füßen wirst du immer weiter wandern, bis es höher nicht mehr geht.


Tourdaten: 23 Kilometer, 480 Höhenmeter, breite Forstwege und einfache Wald- und Wiesenpfade.

Route: Hier geht’s zu meiner Route auf komoot.

Übernachten: Das Berghotel Bärenstein liegt nur ein paar Hundert Meter vom Gipfelkreuz des Bärensteins weiter hinten im Wald. Die Zimmer sind wahnsinnig gemütlich und haben allesamt einen schönen Blick in die Bäume. Das Lunchpaket war so umfangreich, dass ich es kaum in meinen Rucksack gebracht habe. Also genau so, wie man es sich als Wanderer wünscht 🙂


Tag 2 | Vom Bärenstein zum Fichtelberg (Etappe 8)

Wer vom Bärenstein zum Fichtelberg wandert, wandert buchstäblich von einem Höhepunkt zum anderen.

Meine zweite Etappe auf dem Kammweg startet auf einem der höchsten Berge der Region: auf dem Gipfel des 898 Meter hohen Bärenstein. Von hier aus hast du an schöneren Tagen einen weiten Blick über die endlose Wald- und Hügellandschaft des Erzgebirges. Du siehst über Sachsen und bis nach Tschechien – und auch einen Großteil der heutigen Etappe. Eigentlich. Denn an diesem Morgen hängt sich eine dichte Nebelwand an den Hängen des Bärensteins fest. Dort, wo gestern beim Aufstieg noch die Cranzahl-Talsperre zu meinen Füßen lag, blicke ich heute in ein Meer aus Nebel.

Die Stimmung im Wald ist deswegen nicht weniger schön. Es ist still, mystisch. Hier und da zwitschern ein paar Vögel. Und es dauert nicht lange, bis der Nebel mit jedem Schritt bergab lichter wird.

An der Cranzahl-Talsperre mache ich eine erste kurze Pause – nicht, weil ich eine bräuchte, sondern weil hier so viele Bänke direkt am Wegesrand stehen, außerdem eine gemütliche Schutzhütte, dass mich das Gefühl packt, ich könnte gar nicht anders, als mich kurz hinzusetzen und den Blick auf der Wasseroberfläche ruhen zu lassen. Über die 500 Meter lange Staumauer der Trinkwassertalsperre führt der Weg weiter, immer tiefer in den Wald hinein.

Das war bei mir immer schon so: Mit jedem Schritt, den ich eintauche in einen Wald, lasse ich alles andere draußen. Der Wald ist eine Welt für sich, vor allem dann, wenn wir ihn kilometerweit für uns haben, wenn es scheint, als wäre sonst nichts und niemand hier.

Genau so darf ich den Wald hier entlang des Kammwegs Erzgebirge-Vogtland heute erleben: Auf den rund 18 Kilometern, die ich zwischen dem Bärenstein und dem Fichtelberg zurücklege, treffe ich unterwegs gerade mal eine Handvoll Menschen. Es war nichts da, was mich hätte ablenken können. Und weil ich (gerade zu Beginn meiner Wanderung) nicht sehr weit durch die dichte Nebelwand blicken konnte, hab ich mir eben genau angesehen, was mich unmittelbar umgibt. Währenddessen fühlt es sich an, als würde viel von dem Trubel und dem Lärm der letzten Wochen von mir abfallen.

Ganz nebenbei steige ich immer weiter auf. Wenige Kilometer vor meinem Etappenziel weiche ich für ein paar Meter vom Kammweg ab und folge dem Wegweiser zum Amtsfelsen. Er liegt als kleiner Felshaufen neben dem Wanderweg im Wald – und ist genau so hoch und abschüssig, dass du von hier aus zum ersten Mal erahnen kannst, was es bedeuten wird, am höchsten Punkt der Region anzukommen. Denn genau das ist das Plateau des Fichtelbergs: Mit 1.215 Metern über dem Meeresspiegel ist es der höchste Berg in Sachsen. Hier lohnt es sich sogar, noch ein paar Treppenstufen weiter aufzusteigen (selbst dann, wenn die Beine müde von der Etappe sind): Denn vom Aussichtsturm des Fichtelberghauses aus hast du einen 360-Grad-Rundumblick, soweit das Auge reicht.


Tourdaten: 18 Kilometer, 590 Höhenmeter aufwärts, 270 abwärts, breite Forstwege und einfache Waldpfade.

Route: Hier geht’s zu meiner Route auf komoot.

Übernachten: Das Fichtelberghaus hat sich einen ziemlich exklusiven Standort rausgesucht: Es liegt direkt auf dem Gipfel des 1.215 Meter hohen Fichtelbergs. Er ist der höchste Berg Sachsens. Vom Aussichtsturm aus hast du einen 360-Grad-Rundumblick über das Erzgebirge und bis nach Tschechien. Und wenn du nach deiner Wanderung die Stufen auslassen willst, reicht es für die Fernsicht auch, einfach aus dem Fenster in deinem Zimmer zu schauen.


Tag 3 | Vom Fichtelberg zum Rabenberg (Etappe 9)

Man soll ja gehen, wenn es am schönsten ist. Richtig? Wer immer das irgendwann mal gesagt hat, wollte sich einen Abschied wohl leichter reden. Und ich kann mir vorstellen, dass das funktioniert hat – denn dasselbe sage ich mir jetzt gerade. Denn nach einem Tag wie heute kann ich mir kaum vorstellen, dass diese Wanderung noch schöner kommen könnte.

Am Morgen des dritten Tages bin ich hin- und hergerissen: Einerseits kann ich es kaum abwarten, loszulaufen, – denn heute ist der Himmel strahlend blau und die Sonne warm. Andererseits fällt es mir schwer, mich von dem weiten Rundumblick vom Fichtelberg zu trennen. Zumal ich weiß, dass es mein letzter Morgen auf dem Kammweg sein wird. Für diese Etappe nehme ich mir also eine Balance aus beidem vor: aus Innehalten, aus Eintauchen. Und aus Wandern. Schließlich habe ich nicht weniger als 23 Kilometer vor mir.

Obwohl mir die Kilometer der letzten Tage in den Beinen stecken, kann ich auch an diesem Tag jeden Kilometer genießen. Denn der Kammweg und das Erzgebirge zeigen sich zum Abschluss (mal wieder) von ihrer schönsten Seite. Diese Etappe ist eine gelungene Mischung aus wilden Waldwegen, aus weiten Blicken, malerischen Orten, Bachgurgeln und Vogelgezwitscher. Kilometerweit geht es immer sanft bergab, bis sich der wilde Wald lichtet und die ersten Häuser vom beschaulichen Örtchen Tellerhäuser vor mir auftauchen. Immer am gluckernden Bach entlang geht es weiter abwärts ins Pöhlwassertal. Hier sieht die Landschaft aus wie einem Märchenbuch entsprungen. Nicht nur, weil die Häuser inmitten bunter Wiesen liegen – nein, sogar in den Pausenhüttchen haben Zwerge Platz genommen.

Bergauf führt der Weg erst im zweiten Drittel dieser Etappe. Hier ist die tschechische Grenze immer nur einen Steinwurf entfernt – wenn überhaupt. Denn manchmal bildet der Wanderweg selbst die Grenze. So ist es eigentlich nicht verwunderlich, wenn mitten im Wald plötzlich ein Hinweisschild auftaucht, dass du dich nun in der Bundesrepublik Deutschland befindest. Oder eben in der Tschechischen Republik, würdest du einen Meter weiter nach links laufen. Was eigentlich nicht verwunderlich ist, lässt mich trotzdem schmunzeln: Vor allem, als ich kilometerlang alleine durch den Wald laufe, stundenlang niemanden treffe – und dann dennoch an einem alten Grenzposten alleine mitten im Wald stehe, an dem genauso gut nach meinem Ausweis gefragt werden könnte.

Natürlich aber passiert das nicht: Denn auch hier bin ich alleine, hab den Wald ganz für mich. Bevor ich die letzten Kilometer Richtung Rabenberg zurücklege, nehme ich mir noch einmal Zeit für eine längere Pause. Damit ich später sicher genau dann gehen kann, wenn es am schönsten war.


Tourdaten: 23 Kilometer, 300 Höhenmeter aufwärts, 630 abwärts, breite Forstwege und einfache Waldpfade.

Route: Hier geht’s zu meiner Route auf komoot.

Übernachten: Der Sportpark Rabenberg liegt mitten im Wald. Während meiner Wanderung, als ich stundenlang zuvor niemanden auf dem Wanderweg getroffen hatte, konnte ich mir kaum vorstellen, dass hier gleich ein so großes Aktivgelände vor mir auftauchen wird.


Der Kammweg Erzgebirge-Vogtland: Allgemeine Infos

Die gesamte Route

In insgesamt 17 Etappen ist der 285 Kilometer lange Kammweg Erzgebirge-Vogtland eingeteilt. 183 Kilometer verlaufen im Erzgebirge, 76 im Vogtland und 26 Kilometer in Thüringen. Einen guten Überblick über die gesamte Route gibt’s auf der Seite der Region.

Laut der offiziellen Etappenbeschreibung bin ich in drei Tagen die Etappen 7, 8 und 9 (plus eine Erweiterung) gelaufen. Im vergangenen Jahr war ich auf den Etappen 1, 3 (plus die Hälfte der Etappe 4) und im Schwarzwassertal unterwegs. Auch zu dieser Wanderreise gibt es einen ausführlichen Blogbeitrag. Auf meinem komoot-Profil findest du außerdem eine Collection, in der ich alle Touren von letztem und diesem Jahr zusammengefasst habe.

An- und Abreise

Ich bin mit dem Zug ins Erzgebirge gereist. Für Wanderer aus ganz Deutschland ist Chemnitz ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Von dort habe ich den Bus Nummer 207 bis nach Marienberg genommen. Und habe dort nach einer Übernachtung im Hotel Weißes Ross einen Transfer zum Startpunkt meiner Wanderung bekommen. Für die Abreise vom Rabenberg ist der Bahnhof in Breitenbrunn der nächstgelegene. Die rund 5,5 Kilometer kannst du entweder laufen, oder aber einen Transfer über den Sportpark buchen.

Der Bus 207, der den Bahnhof in Chemnitz anfährt, fährt nach Marienberg weiter bis nach Olbernhau. Auch dort kannst du direkt in den Kammweg einsteigen. Etappe 5 führt dich von dort weiter nach Satzung, wenn du gen Westen läufst. Etappe 4 führt von Olbernhau nach Seiffen, wenn du Richtung Osten wanderst.

Orientierung

Wie immer habe ich mir meine Route vorher als geplante Tour auf komoot angelegt – und den Track dann auf meine GPS-Uhr gezogen. Nötig ist das auf dem Kammweg Erzgebirge-Vogtland zwar nicht, weil die Route wunderbar in beide Richtungen ausgeschildert ist. Auf den 285 Kilometern gibt es ganze 4.500 Markierungen. Sich zu verlaufen ist quasi unmöglich. Dennoch empfehle ich immer, sich nicht gänzlich auf solche Markierungen zu verlassen – seien sie auch noch so gut. Die Navigation mit den komoot Offlinekarten klappt ganz hervorragend.

Übernachtung und Verpflegung

Die Route des Kammwegs ist so angelegt, dass wir für die Übernachtungen immer ausreichend Möglichkeiten haben. Sowohl wenn wir der offiziellen Etappen-Empfehlung folgen, als auch wenn wir die Route auf unsere Bedürfnisse anpassen. Zur Auswahl haben wir zum Beispiel gemütliche Berggasthöfe und tolle Gasthäuser in den Tälern.

Auch hier macht sich das Siegel Qualitätswanderweg bemerkbar: weil die Gastgeber entlang des Weges auf Wandertourismus eingestellt sind. So scheuen sich viele beispielsweise nicht, einen Transfer zu übernehmen, wenn wir eine Etappe anderswo starten wollen. Und das Frühstück fällt besonders üppig aus – mit dem Hinweis, dass wir uns doch auch gleich eine Brotzeit für unterwegs mitnehmen sollen. Das übrigens möchte ich unbedingt empfehlen: Weil auf manchen Etappen Einkehr- und Versorgungsmöglichkeiten wirklich rar sind, hatte ich immer meine komplette Verpflegung in Form eines Lunchpakets selbst dabei. Und falls zwischendurch eben doch ein Gasthaus offen hat, hab ich eben mal ein bisschen mehr gegessen 🙂

Wer die Organisation der Unterkünfte und Transfers nicht selbst übernehmen will, der kann sich übrigens an den Tourismusverband wenden: Dort gibt es Wanderpakete zu buchen, sogar mit Gepäcktransfer. Zum Beispiel für die komplette Route oder einen einwöchigen Vorgeschmack.

Hast du noch Fragen zu den Touren?
Ich freu mich auf deinen Kommentar!

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