Hinter den Kulissen,  Wandern

Routenplanung Spezial: Wandern mit einer Verletzung

Damit ich dir erzählen kann, warum ich bei der Planung meiner Wanderungen gerade vor einer besonderen Herausforderung stehe, müssen wir eine kleine Zeitreise machen. Zurück zu diesem Sommertag in den slowenischen Alpen.

Es war der 29. Juli 2021, als ich mit Felix und zwei ganz wunderbaren Freunden in den Bergen Sloweniens unterwegs war. Es war ein guter Tag. Einer, der mit Kaffee an einem wilden Fluss begonnen hat, und mit einer Wanderung durch ein wildes Tal weitergegangen ist. Und dann bin ich umgeknickt. Gestolpert. Ein geschwollener Knöchel und der Gedanke, dass das halb so wild sein wird. Schließlich hatte ich kaum Schmerzen.

Dass dieser Gedanke weniger schlau war, das hab ich ungefähr zwei Monate später erfahren: Nachdem sich mein Knöchel immer noch erstaunlich wackelig angefühlt und manche Bewegungen wehtaten, war ich schließlich doch beim Orthopäden. Und im MRT.

An diesem 29. Juli ist mein Außenband gerissen.

Von allein ist das nicht wieder zusammengewachsen, stattdessen hat der Körper es zurückgebildet. Das macht er so, mit Bändern, die keine Funktion mehr haben.
Das Außenband besteht aus drei Teilen: den Teil, der Wadenbein und Sprunggelenk zusammenhält, den habe ich nicht mehr. Ein leerer Fleck im MRT.
In der Praxis bedeutet das Folgendes: Kippt mein Fuß zur Seite, ist da nichts mehr, was ihn hält.

Jetzt liegt es an mir, das zu ändern. Im besten Fall funktioniert das mit Physiotherapie, die mir helfen wird, die anderen Bänder und Muskeln so zu trainieren, dass sie das fehlende Band so gut es geht kompensieren. Im schlechtesten Fall funktioniert das mit einer OP und einem Bandersatz.

So weit aber will ich es nicht kommen lassen. Deshalb mache ich täglich die Übungen, die der Physiotherapeut vorschlägt. Höre auf den Rat meines Orthopäden. Dazu gehört auch: vorsichtig und bewusst zu wandern. Ganz ohne Risiko für meinen verletzten Fuß und so, dass es sich gut anfühlt.

So viel zur Theorie. In der Praxis bedeutet das, dass ich deutlich langsamer unterwegs bin als vor der Verletzung. Nicht, weil ich Schmerzen habe, sondern, weil ich mich bei jedem Schritt konzentrieren muss, um meinen Fuß richtig aufzusetzen. Schwierige Wege muss ich gerade noch meiden, ich soll lieber weiter laufen, dafür mit gleichmäßiger Belastung. Besonders steinige Passagen sind deshalb tabu, auch Waldwege, bei denen es kaum einen Erdfleck zwischen den Wurzeln gibt.

Diese Anforderungen überfordern mich ziemlich, ehrlich gesagt. Weil ich hier in den Chiemgauer Alpen zwar nahezu jeden Gipfel kenne (und das oft von allen Seiten), aber kaum im flachen Gelände unterwegs bin. Meine liebsten Wanderungen keine sind, auf denen ich mich gerade wohlfühle.


Werbehinweis: Ich bin glücklich, dass ich mit komoot zusammenarbeiten darf. Dieser Artikel enthält bezahlte Werbung für diesen Kooperationspartner. Meine Meinung wird dadurch aber freilich nicht beeinflusst. komoot habe ich schon vor dieser Zusammenarbeit genutzt, zum Beispiel, um die Etappen meiner Alpenüberquerung anzupassen.


Gesucht: Wanderrouten zum Training

Die Herausforderung: Touren finden, bei denen ich meinen Fuß langsam wieder an die Belastung gewöhnen und trainieren kann. Aber ohne die Gefahr, ihn wieder zu verletzen. Zum Beispiel, weil ich auf Wegen unterwegs sind, die noch zu holprig sind.
Die Anforderungen an eine passende Wanderung sind in etwa Folgende:

Länge: zwischen acht und 14 Kilometer

Höhenmeter: zwischen 300 und 800 Höhenmeter

Untergrund: kein Asphalt, gerne aber Kies oder ein gut ausgetrampelter Bergwanderweg

Meine Lösung (auch gegen meine eigene Überforderung): Der Routenplaner von komoot. Wie genau ich neue Wanderungen damit plane, habe ich Schritt für Schritt in einem anderen Blogartikel erklärt. Darauf gehe ich hier deshalb nicht noch einmal im Detail ein. Trotzdem möchte ich dir hier beispielhaft erklären, wie ich diese Trainingswanderungen anlege, damit sie die ziemlich konkreten Eigenschaften erfüllen.

1. Die Auswahl der Region

Zuerst scrolle ich mich durch die Wanderkarte von komoot und suche nach einer Region, in der augenscheinlich mehrere „größere Wege“ eingetragen sind. Forstwege, Almwege. Solche, die eine durchgezogene Linie darstellen, oder blau und/oder mit T1 markiert sind.
Das ist hier im oberen Kartenausschnitt beispielsweise deutlich öfter der Fall als im unteren. Dort sind viele Wege rot und als T2 gekennzeichnet: das sind meistens Treppen, Waldsteige oder felsige Abschnitte.

2. Die Fotos der Anderen durchstöbern

Für die nächste Tour entscheide ich mich also für die Region um den Samerberg, für den oberen Kartenausschnitt. Im zweiten Schritt sehe ich mir ein paar Fotos an, die Andere den Wegen zugeordnet haben. Die roten Kreise mit dem weißen Wanderer sind eingetragene Highlights. Zu ihnen gibt es oft Fotos, die den Wegabschnitt abbilden.
So bekomme ich einen guten Eindruck über die einzelnen Wege, kann hinzufügen und ausschließen.


Die Registrierung bei komoot ist übrigens kostenfrei – inbegriffen ist eine Region, mit deren Kartenmaterial du uneingeschränkt planen und navigieren kannst. Auch der Routenplaner funktioniert in der kostenfreien Version ohne Einschränkungen. Allerdings nicht für Mehrtages-Touren. Das ist eine Funktion, die der Premium-Account für 59,99 Euro im Jahr freischaltet.


3. Einfach mal planen

Als Nächstes suche ich den nächstbesten Wanderparkplatz und plane einfach mal drauf los. Ich füge die Abschnitte hinzu, die ich den Bildern nach als passend empfinde. Lasse die aus, die nicht meinen Bedürfnissen entsprechen.

Meist plane ich eine Rundwanderung. Ich füge weitere Wegabschnitte hinzu, wenn die Route noch ein bisschen länger werden darf. Oder kürze an einer Stelle, wenn es schon zu viele Kilometer sind.

4. Letzter Check: die Details

Im letzten Schritt überprüfe ich, ob die Detailangaben der Tour zu meinen Anforderungen zu Länge, Höhenmeter und Untergrund passen. Alle Angaben dazu liefert mir komoot in der Spalte links. Besonders wichtig ist für mich hier noch einmal der genaue Blick auf die verschiedenen Wegetypen.

Wenn ich auf einen jeweiligen Wegetyp klicke, zum Beispiel auf Alpines Gelände (weil ich das ja gerade nicht unbedingt brauche), sehe ich auf der Karte sogar, an welcher Stelle dieses Gelände auftaucht. Und ich hab vor der Wanderung schon die Möglichkeit, die Route drum herum zu planen.
In diesem Fall geht das zum Beisspiel sehr unkompliziert: Bevor Abschnitt Nummer 5 startet, kann ich rechts auf den Forstweg abbiegen, Weg Nummer 50 folgen, und komme zurück zu Abschnitt Nummer 6.

5. Wandern

Während es bei der Routenplanung in Strömen geregnet hat, wache ich einen Tag später bei strahlend blauem Himmel auf. Es ist einer dieser Herbsttage, an denen irgendwer irgendwann mal entschlossen hat, der Herbst hätte es verdient, als golden gefeiert zu werden. Der Himmel ist klar, die Luft kalt. Auf den Feldern hängen morgens Nebelschwaden fest, die Bäume strahlen in warmen Farben.

Meine geplante Route habe ich am Vorabend noch als GPX-Datei exportiert und mit nur einem weiteren Klick auf meine GPS-Uhr geladen. So kann ich loslaufen, ohne an jeder Abzweigung mein Smartphone aus der Tasche ziehen zu müssen. Statt auf dem Bildschirm, ruht mein Blick auf den Bäumen, dem Wasserfall. Diesem Wald hier, der aussieht wie im Märchen.

Ich bin sprachlos und unglaublich langsam. Dieses Mal aber nicht wegen meines verletzten Fußes, sondern, weil ich alle 50 Meter ein neues, kleines Wunder am Wegesrand entdecke, das ich nicht nur im Vorbeigehen bestaunen will.

Sprachlos bin ich, weil ich die Gipfel dieser Gegend zwar in- und auswendig kenne – von diesem märchenhaften Abschnitt im Wald aber nichts wusste.

Es lohnt sich dennoch, weiterzulaufen. Die Tour nämlich ist ein perfekter Mix: aus Märchenwald, Almwiesen und Bergpanorama. Zwischendurch geht es auf guten Wegen ein klein bisschen bergauf und bergab. Aber nie so sehr, dass sich die Belastung auf meinem Knöchel zu groß anfühlt.

Das Schönste aber ist, dass die Runde viel mehr ist als reines Training oder gar ein Lückenfüller, bis andere Wanderungen wieder möglich sind. Nein, sie hat sogar Lieblingstouren-Potenzial. Und falls es irgendwas Positives gibt, was ich über diese Verletzung sagen kann, dann ist das wohl das Folgende:

Ich bin sehr glücklich, neue Seiten meiner Heimat zu erkunden, die bisher bei der Tourenplanung immer durch das Raster gefallen sind.

Du suchst nach Inspiration?

Diese und weitere Touren inkluisve GPX-Daten findest du auf meinem komoot-Profil.

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