klimaneutral reisen – geht das?

klimaneutral reisen – geht das?

27. Januar 2019 9 Von Franziska Consolati

Keine Frage, die Versuchung ist groß: Für ein langes Wochenende mit Pizza, Pasta und Wein könnten wir im Handumdrehen in einer engen Gasse von Mailand oder Florenz sitzen. Wir könnten durch sonnige Täler in Andalusien wandern. Oder es uns nonstop eine Woche lang an einem feinen, asiatischen Sandstrand gutgehen lassen – der erste Tauchgang ist inklusive.
Das geht. Mit dem Flugzeug, versteht sich. So überqueren wir die Grenzen nicht nur am schnellsten – oft es auch unschlagbar günstig.

Bei mehr als 4000 Flughäfen weltweit und über 25.000 Flugverkehrsverbindungen scheinen die Möglichkeiten endlos. Ein paar Klicks im Internet befördern uns um die halbe Welt. Oder auch in eins der Nachbarländer.
Würde ich mich in diesem Moment spontan entscheiden, von München aus einen Flug zu buchen, hätte ich über 30 Ziele zur Auswahl – bei einem Budget von unter 100 Euro für Hin- und Rückflug. Marokko steht zur Auswahl, die Azoren, Spanien, Frankreich, Irland, England, die Türkei und sogar die östlichsten der griechischen Inseln.
Den Rekord hat erst vor kurzem die Verbindung München – Mallorca aufgestellt. 4,90 Euro, oneway.

Das ist billiger, als von München mit dem Zug in die Berge zu fahren.

Was aber nirgends steht: Dass ich mit diesem Flug teilweise mehr als halb so viel Kohlendioxid (CO2) verursache, wie ein Inder in einem ganzen Jahr.

Flüge weltweit flightradar24
Morgens, halb zehn, am Himmel über der Welt: Der Screenshot von Flightradar24 zeigt live, wie viele Flugzeuge unterwegs sind. Zu diesem Zeitpunkt waren es genau 10.275.

Warum Fliegen der Umwelt schadet

An dieser Stelle passt die Frage: Warum ist das überhaupt ein Problem? Das Fliegen und die CO2-Emissionen, die ich dabei verursache? Kohlendioxid entsteht schließlich auch beim Auto- und sogar beim Bahnfahren.

Die Antwort darauf ist eindeutig: Bei keiner Fortbewegungsart ist unsere CO2-Emission so groß wie beim Fliegen. Mit Abstand.

Sehen wir uns als Beispiel einen Flug von München nach Ulan-Bator an – genau so, wie Felix und ich ihn im Sommer 2015 unternommen haben. Weil es keine Direktflüge in die mongolische Hauptstadt gibt, hatten wir einen kurzen Stop in Moskau. Einmal hin, einmal zurück, das ganze für zwei Personen. Und schon ist es passiert: Zusammen haben wir auf dieser Strecke mehr COverbraucht, als dann, wenn wir ein ganzes Jahr lang 12.000 Kilometer mit dem Auto fahren würden.

Um ehrlich zu sein: Für unsere Umwelt bedeutet das nichts Gutes.
COgehört zu den Treibhausgasen. Beim Fliegen wird es in riesigen Mengen in die Luft geblasen, weil Kerosin verbrannt wird – und ist damit mitverantwortlich, dass sich die Temperatur auf der Erde immer weiter aufheizt. Die Pole schmelzen, das Meer holt sich immer größere Küstengebiete zurück, andere Regionen sind von starken Dürren geplagt. Vieles davon passiert nicht am anderen Ende der Welt: Dürren gehörten in Spanien und Italien mittlerweile zum Sommer. Selbst Schweden hatte 2018 mit schlimmen Bränden zu kämpfen – sogar nördlich des Polarkreises. Und nicht zuletzt waren zur selben Zeit auch Berlins Trinkwasserspeicher teilweise ausgetrocknet.

Damit sich solche Phänomene nicht häufen oder verschlimmern, müssen wir die CO2-Emissionen weltweit auf ein Niveau reduzieren, das den Treibhauseffekt begrenzt. Rechnet man die mögliche Gesamtmenge auf jeden Einzelnen um, ergibt sich die sogenannte “Klimaverträgliche Jahresemission eines Menschen”. Und die liegt bei 2.300 Kilo CO2.
Mit unserem Flug in die Mongolei haben wir schon über die Hälfte dieses Jahresbudgets aufgebraucht – innerhalb von knapp zehn Stunden.

Was kann ich tun, wenn ich manchmal trotzdem fliege?

Klar ist: Für Umwelt und Klima wäre es natürlich am besten, gar kein CO2 auszustoßen. Aber auch die, die nicht ganz darauf verzichten, haben eine Möglichkeit, den Schaden immerhin auszugleichen: Indem sie ihre Flüge kompensieren.
Das funktioniert so: Für die Menge CO2, die man mit dem Flug verursacht hat, spendet man einen entsprechenden Betrag an eine gemeinnützige Organisation. Die wiederum investiert den Betrag in ein Projekt, das CO2 ausgleicht oder einspart. Man macht also das, was man an der einen Stelle verursacht hat, an einer anderen Stelle wieder gut.

Natürlich soll die CO2-Kompensation kein Freifahrschein zu sein, um noch öfter in ein Flugzeug zu steigen. Ganz nach dem Motto: “Macht ja nichts, ich gleiche den Flug hinterher ja eh aus.”
Zurückholen können wir das ausgestoßene CO2 schließlich nicht mehr. Für die, die es gar nicht lassen können, ist weniger Fliegen und Kompensieren aber allemal besser, als einfach nur immer und immer wieder zu Fliegen.

Die Rucksackhelden: Das machen wir selbst

Uns ist bewusst, dass wir damit ein großes und schwieriges Thema anreißen. Für unsere Abenteuer kommen wir schließlich nicht drum rum, ab und zu in ein Flugzeug zu steigen. Und ich würde Lügen, wenn ich an dieser Stelle behaupten würde, dass wir ohne unsere Reisen leben könnten.
Weil wir es trotzdem nicht verantworten wollen, die Umwelt mit überdurchschnittlichen Mengen an CO2 zu belasten, wollen wir uns stattdessen realistischere und langfristige Ziele setzen. Und mit denen können bestenfalls nicht nur wir leben – sondern können vielleicht und hoffentlich sogar den ein oder anderen unter euch inspirieren:

Wir haben uns dazu entschlossen, für Kurzurlaube nicht ins Flugzeug zu steigen und uns auf zwei Reisen pro Jahr zu beschränken. Mal eben für ein langes Wochenende ins Nachbarland ist nicht. Stattdessen genießen wir die Berge vor der Haustür.

Außerdem: Keine Flüge zu allem, was innerhalb Deutschlands oder in den Nachbarländern mit dem Zug zu erreichen ist.

Und schließlich kompensieren wir sämtliche CO2-Emissionen, die wir auf unseren Reisen verursachen. Damit meinen wir nicht nur die Flüge, sondern die gesamte Reise. Alle Verkehrsmittel vor Ort und Unterkünfte einberechnet.
Wir sind stolz, dass wir uns Dank der Unterstützung von Zukunftswerk den Stempel “klimaneutral gereist” verpassen dürfen:

Das steckt hinter dem Stempel

Der Stempel ist unser Versprechen, dass wir jedes Kilo CO2, das wir auf unserer Reise verursacht haben, durch die Investition in ein nachhaltiges Projekt kompensiert haben. Zukunftswerk unterstützt und dabei und stellt beispielsweise sicher, dass die Ausgleichszahlung auch wirklich bei dem auserwählten Projekt ankommt.

Die Reise in die Mongolei, bei der wir den Westen zu Fuß durchquert haben, hat beispielsweise sieben Tonnen CO2 verursacht. Der Flug macht die Hälfte davon aus, die restliche Menge ist vor allem durch die Transferfahrt zum Startpunkt entstanden. Geschlafen haben wir ja in den allermeisten Nächten im Zelt.

Ein Ausgleichszertifikat bestätigt, dass diese sieben Tonnen CO2 mit der Beteiligung an einem nachhaltigen Projekt ausgeglichen sind.
So ein Zertifikat gibt es künftig zu allen Reisen, von denen wir auf diesem Blog erzählen. Und somit natürlich zu allen Reisen, die wir unternehmen. Auch rückwirkend.
Ein anderes Ausgleichszertifikat gibt es zum Beispiel zu unserer Fahrradreise durch Island.
Und selbst alle CO2-Emissionen, die entstehen, weil wir ganz grundsätzlich diesen Blog betreiben, haben wir kompensiert.

Dieses Projekt unterstützen wir

Mit dem CO2-Ausgleich unterstützen wir ein Waldschutzprojekt im Norden Brasiliens. Bei Jacundá REDD+ arbeiten Klimaschützer gemeinsam mit indigenen Völkern, die in der Region zuhause sind, daran, in einer Laufzeit von 30 Jahren rund 35.000 Hektar Amazons-Regenwald zu schützen. Weil die Wälder Mittel- und Südamerikas unter einem großen Verwertungsdruck stehen, würde diese Fläche abgeholzt werden. Der Erhalt entspricht der CO2-Einsparung von 12,5 Millionen Tonnen.
Auf dieser Fläche sind außerdem fast 300 Pflanzen- und 800 verschiedene Tierarten beheimatet. Der Schutz dieser enormen Artenvielfalt zählt zu den wichtigen Zielen des Jacundá-Waldschutzprojektes.

Das ist aber noch nicht alles: Die größten Anteile des Projekts gehören den indigenen Völkern. Für sie entstehen Arbeitsplätze, eine Schule und ein Bildungszentrum für Erwachsene.

Hier kannst du dich weiter informieren